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Scanner-Persönlichkeit – Warum ich dachte, ich sei einfach sprunghaft

Ich bin in einer Generation aufgewachsen, in der Beständigkeit ein Wert war. Meine Eltern haben ihr Leben lang gearbeitet, sind ihrem Beruf treu geblieben und haben Sicherheit geschaffen. Ein geradliniger Lebenslauf war kein Ideal – er war selbstverständlich. Man begann etwas und blieb, man hielt durch, man arrangierte sich. Und ich habe lange geglaubt, dass genau das auch mein Weg sein müsste.

Schon bei meinen ersten Nebenjobs und Praktika habe ich gemerkt, dass mich etwas schneller erschöpft als andere. Nicht nur die Stundenzahl, sondern die Hierarchien, das ständige Anpassen, das Gefühl, funktionieren zu müssen. Während andere scheinbar mühelos ihre 40 Stunden arbeiteten, zählte ich innerlich die Tage. Nicht, weil ich faul war. Sondern weil mein Nervensystem permanent auf Empfang stand. Und weil mein Kopf sich nach neuen Impulsen sehnte.

Ich habe Jobs gewechselt, Modelle verändert, Stunden reduziert. Und mit jedem Wechsel wuchs mein schlechtes Gewissen. Ich hatte das Gefühl, die Werte meiner Eltern zu verraten. Ich wollte sie nicht enttäuschen. Und ich wollte nicht die Tochter sein, die „nie irgendwo ankommt“. Also erklärte ich meine Wechsel rational, während ich innerlich glaubte, ich sei sprunghaft. Unbeständig. Vielleicht sogar undankbar.

Als Scanner-Persönlichkeit ist dein Leben nicht geradlinig

Der schmerzhafteste Gedanke war nicht, dass ich etwas Neues ausprobieren wollte. Es war das Gefühl, anders zu sein. Nicht hineinzupassen in eine Welt, die klare Linien liebt. In meinem Umfeld kannte ich niemanden, der so lebte wie ich. Menschen, die häufig wechselten, galten als unentschlossen oder instabil. Also begann ich, mich selbst so zu sehen.

Erst viel später habe ich verstanden, dass ich nicht sprunghaft war. Ich war vielseitig, ich war neugierig und ich war eine Scanner-Persönlichkeit mit einem sensiblen Nervensystem. Und ich brauchte keinen geradlinigen Weg – ich brauchte einen passenden Rahmen.

Es hat Zeit gebraucht, das zu erkennen. Und noch mehr Zeit, es mir zu erlauben.

Reflexionsfragen für dich

  • Welche Werte hast du über Arbeit und Beständigkeit aus deiner Herkunftsfamilie übernommen?
  • Wann hast du dich das erste Mal „anders“ gefühlt?
  • War es wirklich Unbeständigkeit – oder war es Überforderung und Unterforderung gleichzeitig?

Scanner-Persönlichkeit verstehen – Ein Praxisguide für hochsensible Vielbegabte

Möchtest du tiefer einsteigen? In meinem 0€ Praxisguide „Scanner-Persönlichkeit verstehen“ findest du alle Kapitel gebündelt – inklusive Reflexionsfragen und 30-Tage-Start.

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