Home » Hochsensibel im Alltag
Eine Stimmung im Raum aufzunehmen kann kräftezehrend sein. Ich habe das besonders in der Arbeitswelt gespürt, oft so intensiv, dass es mich an mir selbst zweifeln ließ. Hochsensible Menschen betreten einen Raum und spüren sofort, was dort zwischen den Zeilen passiert. Ob jemand schlecht geschlafen hat, ob unausgesprochene Konflikte im Team stehen, ob sich jemand unwohl fühlt oder ob eine Spannung unter der Oberfläche brodelt. Es ist kein bewusstes Analysieren, sondern ein unmittelbares Wahrnehmen. Die Atmosphäre liegt förmlich in der Luft und setzt sich im eigenen Körper fest.
Ich achte darauf, mir keine Filme und TV-Serien mit Gewaltszenen anzuschauen. Es klingt für viele banal, fast übertrieben: „Ich kann keine Filme mit Gewaltszenen sehen.“ Doch wer hochsensibel ist, weiß: Das ist reiner Selbstschutz.
Der Schmerz, wenn deine Freunde andere Hobbies haben, die du nicht magst – Kennst du das Gefühl, wenn du in einer Freundesgruppe sitzt, alle begeistert vom nächsten gemeinsamen Abend sprechen – Kino, Schwimmbad, Essen gehen – und du innerlich spürst, wie sich dein Körper anspannt?
Das Grübeln und Reflektieren. Eigentlich eine Gabe, ist man als selbstreflektierter Mensch doch auch tendenziell bescheiden, dankbar und glücklich. Wenn man jedoch in negative Situationen kommt, und man dann diese immer wieder in Gedanken durchspielt, kann man in eine Schleife aus zu vielen negativen Gedanken geraten. Man grübelt, denkt nach, überlegt und verliert sich mitunter darin.
‚Lost in translation’ könnte der Titel meines Lebens sein. Denn Menschen, die nicht sensibel und schüchtern sind, zu erklären was man meint und was das (gerade) mit einem macht, ist eine riesige Aufgabe. Ich habe auch heute noch das Gefühl ich spreche in einer Fremdsprache zu meinen Mitmenschen, wenn ich versuche meine Sensibilität zu erklären. Man redet wie in einen leeren Raum, aus dem nichts zurückkommt.
Feinheiten um mich herum – das sind Geräusche, Gerüche, Stimmungen anderer Menschen, mögliche Gefahrensituationen. Jeder hochsensible Mensch kennt es, wenn man gedankenversunken in einer Situation ist. Egal, ob am Familientisch oder während einer Zugfahrt. Ich kenne das zu gut. Mein Kopf ist dann aber keinesfalls leer, sondern ich denke über die aufgenommenen Eindrücke nach und versuche sie einzuordnen. Wer befindet sich in meiner direkten Umgebung? Wie sind diejenigen heute drauf? Was kann ich tun, damit die Stimmung besser, beziehungsweise für mich auch angenehmer, wird?